Egal, ob ich einen Roman schreibe oder ein Hörspiel oder etwas ganz anderes, ich will immer etwas machen, das mir auch selber gefallen würde.
— Melanie Raabe

Wie ist das Projekt DER ABGRUND entstanden?

Meine Lektorin Christiane Collorio vom Hörverlag, mit der ich bisher an den Hörbüchern zu meinen Romanen gearbeitet habe, wusste, dass ich ein großer Hörspiel-Fan bin. Als sie die Idee hatte, eine Hörspielserie als Podcast zu starten, ist sie auf mich zugekommen - und ich habe sofort ja gesagt. Ich hatte eine Idee, habe mich drangesetzt und, während ich mit meinem letzten Buch auf Lesereise war, im Zug und im Hotel daran geschrieben. Und irgendwann war das Hörspiel fertig.

Wieso warst du bei dem Thema Podcast sofort Feuer und Flamme?

Egal, ob ich einen Roman schreibe oder ein Hörspiel oder etwas ganz anderes, ich will immer etwas machen, das mir auch selber gefallen würde. Etwas, das ich selber konsumieren würde. Und da ich gerne Podcasts höre und selber Fan bin, hatte ich große Lust, das mal auszuprobieren.

Das ist ja Dein erster Serial-Podcast. Gab es Besonderheiten beim Schreiben?

Es ist gar nicht so anders, als einen Thriller zu schreiben. Ich schreibe sonst Romane und die sind ja auch ein Stück weit seriell. Denn auch in meinen Thrillern achte ich stets darauf, dass beispielsweise jedes Kapitel einen Cliffhanger hat - damit man dann als Leserin oder Leser sozusagen das Buch „wegbinged“. Eine Herausforderung war es für mich, rein dialogisch zu schreiben. Im Roman kann ich Informationen, die vermittelt werden müssen, einfach über den Text transportieren und darüber Spannung aufbauen. Wenn ich ein Hörspiel schreibe, habe ich nur den Dialog. Und ich muss mich darauf verlassen, dass der Dialog stark genug ist. Dass genug „Fleisch am Knochen“ ist, damit es am Ende toll wirkt.

In meinen Thrillern achte ich stets darauf, dass beispielsweise jedes Kapitel einen Cliffhanger hat - damit man dann als Leserin oder Leser sozusagen das Buch „wegbinged“.
— Melanie Raabe

Wie hast Du den Stoff entwickelt?

Wie ich immer an meine Texte herangehe: Ich hatte eine erste kleine Idee, von der aus sich alles verästelt hat. Ob ich jetzt einen Roman schreibe oder ein Buch, ich wünsche mir immer, ich wüsste alles von Anfang an und müsste es dann „nur noch“ aufschreiben. Aber bei mir ist der Prozess viel chaotischer. Ich habe eine Idee, dann habe ich eine andere Idee, dann schreibe etwas, dann schmeiße ich es wieder weg. Dann mache ich es nochmal neu, dann kürze ich etwas raus. Dann baue ich etwas um – und irgendwann ist am Ende auf fast wundersame Weise etwas fertig.

Was ist das Besondere an dem Plot?

Wir haben eine Vergangenheitsebene, wir haben eine Gegenwartsebene, und auf beiden haben wir ein großes Geheimnis. Und das ist dann in der Summe hoffentlich so spannend, dass es die Hörerinnen und Hörer begeistern wird. Zudem ist der Podcast ist unglaublich gut besetzt; wir sind dank der tollen Sprecherinnen und Sprecher an allen Charakteren sehr nah dran, und wir könnten denke ich allen ein düsteres Geheimnis zutrauen. 



Gibt es einen Podcast, den du „gebinged“ hast?

Ja, tatsächlich. Das ist jetzt der absolute Klassiker, den wahrscheinlich viele kennen, die sich gerne damit befassen. Ich habe HOMECOMING weggebinged. Das ist ein sehr erfolgreiches amerikanisches Podcast, das äußerst hochkarätig besetzt war. Catherine Keener war beispielsweise dabei, ebenso wie David Schwimmer. Mittlerweile ist es mit Julia Roberts in der Hauptrolle verfilmt worden. HOMECOMING habe ich sehr gerne gehört.

© Matthias Scheuer

© Matthias Scheuer

Deine Empfehlung an die Hörer: Bingen oder jede Folge auf sich wirken lassen?

Ich glaube, ich möchte da gar keine Empfehlung aussprechen, ob man es lieber auf sich wirken lassen sollte oder alle Folgen am Stück hören sollte. Ich tue beides und entscheide das immer nach Lust und Laune und Stimmung.

Was macht es für Dich so besonders eine Geschichte zu hören?

Ich mag es einfach per se sehr gerne, etwas zu hören. Wir befinden uns da irgendwo zwischen Film und Buch. Bei einem Buch müssen Leser oder Leserin alles selbst machen. Aber das möchte man nicht immer. Und bei einem Film hat man alles vorgegeben. Das Bild, den Sound - einfach alles. Und auch das hat seinen Reiz. 
Hören ist irgendwo dazwischen. Einiges ist vorgegeben, aber man hat noch Platz für Fantasie, die den Rest hinzufügt, nämlich die Bilder. Und das finde ich unglaublich reizvoll. Ich liebe es auch, sehr konzentriert Stimmen zu hören. Stimmen sind etwas, auf das ich persönlich sehr reagiere. Und dementsprechend toll ist es, dass wir so super Sprecherinnen und Sprecher haben, mit ganz fantastischen Stimmen.

Ich liebe es auch, sehr konzentriert Stimmen zu hören. Stimmen sind etwas, auf das ich persönlich sehr reagiere.
— Melanie Raabe

Wer sollte sich Deinen Podcast DER ABGRUND anhören und wieso?

Unseren Podcast sollten sich vor allem alle diejenigen anhören, die gerne Hörspiele und Spannung mögen. Wir haben eine unglaublich hochkarätige Besetzung – alleine dafür lohnt es sich! Ich habe gerade reingehört, und sie klingen wirklich toll. Die Stimmung kommt sehr gut rüber. Und auf jeden Fall sollten sich DER ABGRUND natürlich alle anhören, die gerne meine Bücher gelesen haben!

Möchtest Du den Hörern noch etwas sagen?

Ich glaube ich möchte einfach loswerden, dass dieser Podcast die Zeit lohnt, die man mit ihm verbringt. Und das soll kein Eigenlob sein, denn dieses Projekt ist eine große Kollaboration. Zwar ist ein großer Teil von mir, aber es kam noch ein sehr viel größerer Teil hinzu durch Bearbeitung, Regie, Sprecher, Musik usw., und das fließt nun wunderbar zusammen.

 

 
© Matthias Scheuer

© Matthias Scheuer

Melanie Raabe …

ist ein Kind der Achtziger und wollte als kleines Mädchen Stuntfrau werden, was diverse Narben und zwei abgeschlagene Frontzähne bis heute bezeugen. Sie wurde in Jena geboren, wuchs in einem 400-Seelen-Dorf in Thüringen auf und verbrachte ihre Jugend mit Büchern, Theater und Tanz in einer Kleinstadt in NRW. Nachdem sie in Bochum Medienwissenschaft und Literatur studiert hat zog sie nach Köln – um dort als Journalistin zu arbeiten (tagsüber, offiziell) und Geschichten zu schreiben (heimlich, nachts).

Ihre Romane erscheinen inzwischen in über 20 Ländern, werden als Lesungen und Hörspiele veröffentlicht und auch die Filmbranche hat ihre Stoffe entdeckt. DER ABGRUND ist ihr erster Fiction Podcast.

 

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